Market Timing vs. Buy and Hold: Was bringt wirklich mehr?

Du hältst an deinen Anlagen fest, egal wie stark die Märkte schwanken. Klar, das ist nicht immer einfach. Wenn die Kurse fallen, erfordert es Nerven aus Stahl, ruhig zu bleiben. Doch es wird immer wieder behauptet, Buy and Hold sei die beste Strategie für  private Investoren.

Andererseits kannst du versuchen, den Markt zu timen – also am Tiefpunkt kaufen und am Hochpunkt verkaufen. Klingt verlockend, oder? Leider funktioniert das in der Praxis oft nicht so gut. Man liegt häufig falsch und macht dann noch weniger Gewinn als mit einem simplen Buy-and-Hold-Ansatz.

Die Welt der Geldanlage ist nun mal schmerzhaft…


Höre dir doch die zum Thema passende Podcast Folge an.


Ein Weg teure Fehler zu vermeiden

Doch was, wenn du zumindest die wirklich schlechten Marktphasen erkennen und vermeiden könntest? Stell dir vor, du könntest dein Geld in Crashzeiten in sichere Anlagen wie Tagesgeld oder dem Money Market parken. So schützt du deine Nerven und machst womöglich sogar mehr Gewinn als der klassische Buy-and-Hold-Investor.

Klingt großartig, oder?

Spoiler: Ein perfektes System gibt es nicht. Aber es gibt Methoden, die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, einen Crash frühzeitig zu erkennen. Heute werfen wir einen Blick auf eine interessante Idee für den europäischen Aktienmarkt. Schweden, das Land der IKEA-Regale und Huskytouren, spielt dabei eine zentrale Rolle.


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Schweden als Frühwarnstufe für europäische Aktien

Finansock and der Schwedisch-Finnischen Grenze.

Das skandinavische Land ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union. Seine Wirtschaft ist eng mit der EU verbunden, nicht nur dank Billy-Regalen. Schweden liefert wichtige Rohstoffe und Zwischenprodukte an die europäische Industrie, besonders an Deutschland. Vielleicht lässt sich also aus der Stärke der schwedischen Exportindustrie etwas über die zukünftige Konjunktur in Europa und damit über die Aktienkurse ableiten.

Eine mögliche Lösung: Der Einkaufsmanagerindex (PMI) Schwedens. Dieser Index spiegelt die Erwartungen der Manager in Bezug auf die wirtschaftliche Entwicklung wider. Liegt der PMI über 50, deutet das auf Wachstum hin.

Verlauf des Einkaufsmanagerindex (PMI) Schweden und des MSCI Europe von 1995 bis 2024.

Die Idee ist simpel: Kaufe oder behalte Aktien nur, wenn der PMI über 50 liegt. Auf den ersten Blick scheint diese Strategie Erfolg zu versprechen. Doch in der Realität verringert sich zwar die Volatilität leicht, aber der Profit sinkt drastisch. Am Ende erzielst du weniger Rendite als mit einem Buy-and-Hold-Ansatz.

Zwischen 1995 und 2024 hätte der Buy and Hold Investor 8,6% pro Jahr verdient, bei einer Schwankung von 15,3% pro Jahr. Die simple “kaufe bei einem PMI größer 50” Strategie hingegen brachte nur 6,0% Rendite pro Jahr bei einer Schwankung von 13,1%. Sehr ernüchternd.

Aber ich habe weiter getestet: Was passiert, wenn man nicht investiert, wenn der PMI unter 45 fällt, oder nur dann investiert, wenn der PMI über 60 liegt? Leider bringt das auch nichts.

Ein vielversprechender Ansatz

Dann erinnerte ich mich an einen alten Statistikkurs: Vielleicht sagt nicht die Höhe des PMI etwas über die Aktienrenditen aus, sondern die Veränderung des PMI. Also habe ich versucht, die monatliche Veränderung zu nutzen, um Kauf- oder Verkaufsentscheidungen zu treffen. Mit einem kleinen Twist: Ich habe die durchschnittliche Veränderung der letzten 10 Monate betrachtet.

Vergleich des MSCi Europe und der durchschnittlichen Veränderung des Schweden PMI der letzten 10 Monate zwischen 1995 und 2024.

Das Ergebnis? Weniger Schwankungen und eine viel niedrigere Rendite. Aber die Effizienz, also die Rendite pro Risikoeinheit, steigt. Ein kleiner Vorteil. 

Hier noch einmal die bisherigen 3 Investmentstrategien graphisch zusammengefasst. Wie entwickelt sich 1€ seit 1995 beim klassischen Buy and Hold, investieren nur bei einem Vormonats PMI > 50 und investieren nur bei einer durchschnittlich positiven Entwicklung des PMI.

Besonders interessant ist die flache Performance von Strategie 3 während der .com Blase 2000, der Finanzkrise 2008, der Eurokrise 2011 und dem Rücksetzer 2021. Auf der anderen Seite wurden die Erholungen 2003-2005 und 2019 verpasst. Das ist der Trade Off zwischen erhöhter Sicherheit und Rendite.

Was wäre aus 1€ seit 1995 geworden? Vergleich Buy and Hold MSCI Europe, Kauf nur wenn Schweden PMI > 50 und Kauf nur wenn durchschnittliche Veränderung des PMI>0.

Mit einem einfachen Schritt die Strategie optimieren

Was auffällt ist, dass du mit dieser Strategie natürlich nicht immer investiert bist. Konkret nur 169 Monate anstelle der 347 Monate bei Buy and Hold. Das Geld sollte aber in den schlechten Phasen nicht einfach versauern. Deswegen habe ich mir noch angeschaut, was passiert, wenn du dein Geld während der Schwächephasen in beispielsweise Tagesgeld anlegst. 

Mit dieser Strategie wären in der Zeit von Ende 1995 bis Juli 2024 folgende Kennzahlen herausgekommen: Die Rendite der Schweden PMI Strategie lag mit 7.9% pro Jahr leicht unter der Buy and Hold Rendite von 8.6%. Das Risiko, also die Schwankung, war allerdings viel niedriger: PMI Strategie 10.7% und Buy and Hold, wie gesagt 15.3%. Das heißt, die Effizienz der Schweden PMI Strategie lag 32% über der Buy and Hold Effizienz.  PMI 0,74 und Buy and Hold 0,56. 

Hier auch noch einmal die Entwicklung von 1€ graphisch dargestellt. Interessanterweise lieferte die kombinierte Strategie zwischen 2001 und 2019 mehr Rendite bei weniger Risiko. Der Verlust während der Coronakrise konnte auch nicht verhindert werden.

Was wäre aus 1€ seit 1995 geworden? Vergleich Buy and Hold MSCI Europe, Kauf nur wenn durchschnittliche Veränderung des PMI>0 und wenn dein Geld zusätzlich in Tagesgeld angelegt wird.

Fazit

Mit der richtigen Strategie kann der schwedische Einkaufsmanagerindex tatsächlich helfen, das Risiko am europäischen Aktienmarkt zu senken. Die Rendite sinkt zwar auch, aber weniger stark. Wenn du also auf höchste Effizienz aus bist, könnte der Schweden-PMI eine Option sein. Willst du hingegen maximale Rendite, bleibt Buy and Hold dein bester Freund.


Über Mich

Ich bin Sebastian, ehemaliger Energiehändler, leidenschaftlicher Privatanleger, Chartered Financial Accountant und vor allem ein Mensch wie du.

Während meiner 10 erfolgreichen Jahre als Energiehändler standen oft die Zahlen im Vordergrund.

Mehr Monitore, mehr Analysen, weniger Mensch. 

Trotz meines beruflichen Erfolges war ich irgendwann unzufrieden. Ich wollte Menschen helfen. Insbesondere möchte ich ihnen etwas Nützliches beibringen.

Weniger Monitore, mehr Praxis, mehr Mensch.

Heute brenne ich darauf, mein Fachwissen aus über 15 Jahren Erfahrung an Menschen wie dich weiterzugeben.

Neben der praktischen Erfahrung, habe ich einen Universitätsmaster in Quantitative Finance, den CFA (Chartered Financial Analyst) und die österreichische Befähigungsprüfung zum gewerblichen Vermögensberater.


Hinweis:

Die von mir vorgestellte Strategie ist keine Anlageberatung, sondern nur ein Denkanstoß für tiefergehende Analysen. Sie vernachlässigt zum Beispiel auch wichtige Gesichtspunkte, wie die persönliche steuerliche Situation und Transaktionskosten. Alle zur Verfügung gestellten Informationen (alle Ideen, Meinungen, Ansichten, Annahmen, Kommentare, Hinweise etc.) sind meine persönliche Meinung und dienen allein der Bildung und der Unterhaltung. Bevor du dein Geld in Wertpapiere anlegst, lasse dich bitte professionell beraten.

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