Marktcheck März 2025: Sind die jüngsten Rückgänge eine Kaufchance?
Lesezeit: 6 Min
Das Wichtigste auf einen Blick:
Starker Rückgang an den Börsen, besonders in den USA: Der MSCI World verlor 9 % für Euro-Anleger, der S&P 500 sogar 9,3 %. Während Europa und Schwellenländer weniger stark betroffen waren, profitierte der USD Anleger vom steigenden EUR/USD-Kurs (+4 %).
US-Aktien weiterhin teuer, trotz Kursverlusten: Technische und fundamentale Analysen zeigen, dass der Markt noch nicht günstig ist. Hohe KGVs, niedrige Dividendenrenditen und überbewertete Aktien im Vergleich zu Immobilien und Anleihen stützen diese Einschätzung.
Kein idealer Zeitpunkt für Schnäppchenkäufe: Indikatoren wie das Preismomentum, die Buffett Ratio und die Bewertung im Vergleich zu anderen Anlageklassen deuten darauf hin, dass Schnäppchenjäger mit Käufen noch warten sollten.
„Man kann einem Schnäppchen ein Schnippchen schlagen, indem man einfach nicht zugreift.“
Rückblick: Der März 2025 war tiefrot für Euro-Anleger die auf die USA gesetzt haben
Der März war für die Börsen seit langem ein schlechter Monat. Der MSCI World hat für Euro Anleger 9% verloren. Insbesondere die US-Börsen haben mit den Magnificent Seven, also den 7 großen Technologie-Titeln, Boden verloren. Anleger, die in Europa oder den Entwicklungsländern investiert waren, durchliefen einen weniger schwachen Monat. Hier beliefen sich die Verluste in Euro auf -4,5% bzw. - 3%.
Prozentuale Veränderung wichtiger Aktienmärkte auf Euro und Dolalr-Basis im März 2025. Quelle: Tradingview
Ist es jetzt an der Zeit auf Schnäppchentour am Aktienmarkt zu gehen?
Die Kursverluste animieren dich vielleicht zum Nachkaufen, in der Hoffnung ein Schnäppchen am Markt zu ergattern. Gerade über den US Markt höre ich von Kunden und Onlinequellen diese Idee. Doch macht eine Shoppingtour Sinn? Sind (US-) Aktien jetzt günstig?
Zur Klärung der Frage schauen wir uns 7 Grafiken an. Danach wirst du dir selbst recht einfach eine klare Antwort geben können.
Das Momentum steht nur auf der Seite von China und Europa
Das Preismomentum am Kapitalmarkt bezeichnet die Tendenz von Vermögenswerten, ihre bisherige Preisentwicklung fortzusetzen. Konkret bedeutet dies, dass Wertpapiere, die in der Vergangenheit eine starke Wertsteigerung oder -minderung erfahren haben, oft auch in Zukunft eine ähnliche Richtung beibehalten.
Die folgende Grafik zeigt das Preismomentum verschiedener Aktienmärkte weltweit. Ich führe diese Analyse jeden Monat durch, denn sie hilft mir, das Risiko von großen Verlusten zu vermeiden.
Aus der Grafik kannst du klar erkennen, dass die USA sehr stark an Momentum verloren hat. Nur China und Europa haben ein positives Momentum. Einzelne Märkte wie Indien und Brasilien zeigen eine gewisse Erholung im Vergleich zum Vormonat.
Nur China und einige Europäischen Länder haben Stand April 2025 ein positives Momentum.
Aus “technischer” Sicht ist der S&P 500 immer noch teuer
Die technische Analyse der Märkte analysiert die Preisentwicklung des entsprechenden Wertpapiers. Sie ist zugleich Kunst und Wissenschaft. Man kann sie als Humbug ignorieren, oder sie vergöttern. Meiner Meinung nach liefert sie hilfreiche Indizien in der Analyse.
Schauen wir uns den amerikanischen S&P 500 auf Monatsbasis an. Dort siehst du, dass wir im Grunde zur Zeit noch gar nicht konsolidiert haben. Auch der beliebte Relative Strength Index (RSI) im unteren Teil der Grafik bestätigt dies. Ein niedriger Wert signalisiert eine Kaufgelegenheit. Die roten Linien zeigen die Monate, in denen der RSI unter 50 lag. Zur Zeit sind wir noch über 60.
Der S&P 500 Index auf Monatsbasis. Rote Linien kennzeichnen Kaufchancen mit einem RSI unter 50. Zur Zeit ist der RSI bei 60. Quelle: Tradingview
Wie sieht die fundamentale Bewertung des Aktienmarktes aus?
Das ergänzende Gegenstück zur technischen Analyse ist die fundamentale Analyse. Auch hier findet man kaum Zahlen, die auf ein Schnäppchen am (US-) Markt hindeuten.
Die Analyse verallgemeinert die Situation natürlich. Einzelne Aktien können durchaus in jeder Marktphase eine gute Kaufgelegenheit bieten.
Der Preis pro Gewinn ist immer noch extrem hoch
Die “Price Earnings Ratio” oder das Kurs Gewinn Verhältnis (KGV) gibt an, wieviel du für eine Einheit an Gewinn zahlst. Anders gesagt, beschreibt das KGV auch, wie viele Jahre du als Anleger warten musst, um mit dem (gleichbleibenden) Gewinn deine Investition zurückzubekommen. Der Ökonom Shiller hat in seiner Analyse die Zahlen zusätzlich noch inflationsbereinigt.
Du erkennst sehr gut, dass wir zur Zeit immer noch ein sehr hohes KGV am US Markt haben. Einzig in der Dotcom Blase von 2000 lag das Verhältnis höher.
Inflationsbereinigtes Kurs Gewinn Verhältnis von US Aktien seit 1875. Nur zur Dotcom Blase waren Aktien noch teurer. Quelle: longtermtrends.net
Für Dividenden zahlst du zur Zeit auch Höchstpreise
Die Dividendenrendite verhält sich entgegengesetzt zur Aktienbewertung: Eine hohe Rendite deutet auf günstige Aktien hin, eine niedrige Rendite signalisiert teure Aktien. Ist die Rendite sehr viel niedriger als vergleichbare Anleihen, dann lohnt sich zum Beispiel eine Investition in diese Anleihen gegebenenfalls mehr als in Aktien.
Zur Zeit ist die Dividendenrendite der US Aktien auch auf einem sehr niedrigen, also teuren, Niveau. Seit ca. 2004 war das Niveau der Rendite um die 2%, doch mittlerweile haben wir uns stark in Richtung 1% bewegt.
Die Dividendenrendite signalisiert wie günstig Aktien sind. Zur Zeit befinden wir uns nahe historischen Höchsständen. Quelle: longtermtrends.net
Immobilien sind günstiger als Aktien
Im Vergleich zu Aktien erscheinen Immobilien in den USA günstig. Der House Price Index ist seit 2010 weniger stark gewachsen als der S&P 500. Auch wenn der März-Rücksetzer am Aktienmarkt die relative Bewertung etwas verbessert hat, bleiben Aktien gegenüber Immobilien eher teuer.
Trotz jüngster Kursverluste bleiben Aktien im Vergleich zu US Immobilien teuer. Quelle: longtermtrends.net
US-Aktien sind im Vergleich zu Anleihen auf dem Höchststand in über 50 Jahren
Aktien und Anleihen sind ein wenig wie Äpfel und Birnen, also nicht 1:1 vergleichbar. Beide haben unterschiedliche Eigenschaften und dadurch Platz in jedem Portfolio. Dennoch lohnt sich ein (Teil-) Wechsel zwischen den Klassen in einigen Situationen.
In der Grafik siehst du ganz klar, Aktien sind im Vergleich zu Anleihen seit 2010 extrem gestiegen. Ähnlich wie bei Immobilien ändern auch die jüngsten Verluste nur wenig an diesem Bild.
Aktien im Vergleich zu Anleihen. Set 2010 gab es einen extremen Anstieg von Aktien. Quelle: Longtermtrends.net
Die Buffett Ratio zeigt warum Warren Buffett eher Cash als Aktien besitzt
Die Buffett Ratio ist eine Kennzahl, die das Verhältnis der gesamten Marktkapitalisierung eines Landes zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) misst. Sie wird verwendet, um zu beurteilen, ob ein Aktienmarkt insgesamt über- oder unterbewertet ist.
Zur Zeit ist diese Ratio für die USA auf dem Höchststand.
Die Buffett ratio gibt an, wie günstig Aktien im Vergleich zur Wirtschaftsleistung sind. Quelle: longtermtrends.net
Das könnte dich auch interessieren
Die Zeit für Schnäppchen ist (noch) nicht da
Zusammenfassend siehst du, dass der (US-) Markt noch kein wirkliches Schnäppchen ist. Natürlich kann sich der Markt jetzt erholen und im Nachhinein war jetzt der Zeitpunkt zum Kaufen. Langfristig werden sich Aktien wahrscheinlich auch positiv entwickeln.
Allerdings zeigt die Analyse auch deutlich, dass die Luft nach oben dünner ist als nach unten. Wahre Schnäppchenjäger warten also noch geduldig an der Seitenlinie.
Über Mich
Ich bin Sebastian, ehemaliger Energiehändler, leidenschaftlicher Privatanleger, Chartered Financial Accountant und vor allem ein Mensch wie du.
Während meiner 10 erfolgreichen Jahre als Energiehändler standen oft die Zahlen im Vordergrund.
Mehr Monitore, mehr Analysen, weniger Mensch.
Trotz meines beruflichen Erfolges war ich irgendwann unzufrieden. Ich wollte Menschen helfen. Insbesondere möchte ich ihnen etwas Nützliches beibringen.
Weniger Monitore, mehr Praxis, mehr Mensch.
Heute brenne ich darauf, mein Fachwissen aus über 15 Jahren Erfahrung an Menschen wie dich weiterzugeben.
Neben der praktischen Erfahrung, habe ich einen Universitätsmaster in Quantitative Finance, den CFA (Chartered Financial Analyst) und die österreichische Befähigungsprüfung zum gewerblichen Vermögensberater.
Hinweis:
Alle zur Verfügung gestellten Informationen (alle Ideen, Meinungen, Ansichten, Annahmen, Kommentare, Hinweise etc.) sind meine persönliche Meinung und dienen allein der Bildung und der Unterhaltung. Sie sind nicht als persönliche Anlageberatung zu verstehen.