Die Zinsdifferenz zwischen den USA und Deutschland: Ein Wendepunkt an den Märkten?

Lesezeit: 6 Min

Wichtige Punkte:

  • Der größte Zinsanstieg 10-jähriger deutscher Bundesanleihen seit 1990

  • Mögliche Auswirkungen der Schuldenbremse-Aufweichung auf die Anleiherenditen

  • Folgen für Wechselkurse und Aktienmärkte 

  • Chancen für Anleger in Euro-denominierten Investments

Ein Jahrhundert-Ereignis im Bond-Markt, über das kaum jemand spricht

Anleihen sind das Fundament des globalen Finanzsystems. Mit einem geschätzten Marktvolumen von 133 Billionen US-Dollar übersteigen sie sogar den weltweiten Aktienmarkt (124 Billionen US-Dollar). Trotzdem bleiben sie oft unter dem Radar der breiten Masse.

Doch derzeit spielt sich eine bemerkenswerte Veränderung ab: Die Rendite für 10-jährige deutsche Bundesanleihen hat den größten wöchentlichen Sprung seit 1990 gemacht. Dieser plötzliche Anstieg könnte langfristige Konsequenzen für dich als Investor haben.

10-jährige deutsche Bundesanleihen haben den größten sprung seit 1990 gemacht.

Wöchentliche Veränderung der Zinsen auf 10-jährige deutsche Bundesanleihen. Quelle: Tradingview

Merz kommt und...

Ein entscheidender Faktor ist die geplante Aufweichung der Schuldenbremse durch Kanzlerkandidat Friedrich Merz. Seit der Einführung der Schuldenbremse im Jahr 2011 (angekündigt 2009) war das Angebot an Bundesanleihen künstlich verknappt.

Doch mit der Aufnahme neuer Schulden könnte sich dies ändern. Ein höheres Angebot an deutschen Anleihen würde die Renditen weiter steigen lassen und den Spread zwischen US-Treasuries und Bundesanleihen beeinflussen.

Historisch betrachtet war der Zinsunterschied zwischen 10-jährigen US-Treasuries und deutschen Bundesanleihen seit 2011 konstant steigend. Der Spread zwischen US-Treasuries und Bunds stieg von -0,4% auf bis zu 2,7%. Der Preis der Bundesanleihen stieg also enorm. Vorher schwankte er stärker. Sollte die Schuldenbremse gelockert werden, könnte sich die Volatilität in diesem Spread wieder erhöhen.

Spread in der Rendite 10-jähriger US Treasuries und 10-jähriger Bundesanleihen seit 1990. Seit 2009 (Ankündigung Schuldenbremse) steigt dieser stetig an.

Rendite 10-jähriger US Treasuries minus 10-jähriger Bundesanleihen seit 1990. Quelle: Tradingview

Welche Folgen hat das für die Kapitalmärkte?

  1. Bundesanleihen werden wieder attraktiver
    US-Staatsanleihen haben zwar immer noch höhere Renditen, aber mit steigenden deutschen Zinsen schrumpft der Renditevorteil. Investoren könnten beginnen, Kapital aus US-Anleihen in europäische umzuschichten.

  2. Der Wechselkurs wird volatiler
    Steigende Bundesanleihen-Renditen bedeuten, dass mehr Kapital nach Europa fließt. Das könnte den Euro stärken, was für Euro-basierte Investoren ein Risiko darstellt. Kurz gesagt werden FX-Absicherungen gegenüber dem US-Dollar für dich als europäischer Anleger wichtiger.

    • Es gibt Anzeichen, dass bereits Carry Trades aufgelöst werden: Investoren, die sich in Euro verschuldet und in US-Dollar investiert haben, müssen ihre Positionen zurückfahren, was den EUR/USD-Kurs nach oben treiben könnte.


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Als Aktienanleger bist du gleich doppelt betroffen

  1. Ein starker Euro drückt die Rendite für europäische Investoren
    Viele Investments, insbesondere der MSCI World, sind in US-Dollar denominiert. Ein starker Euro bedeutet, dass diese Anlagen in Euro-Werten schrumpfen. Der Effekt ist bereits seit Jahresbeginn sichtbar.

  2. Höhere Zinsen bedeuten tendenziell niedrigere Aktienkurse
    Höhere Bundesanleihen-Zinsen erhöhen die "Risk-Free-Rate", die in der Aktienbewertung genutzt wird. Das könnte einen Bewertungsabschlag für europäische Aktien bedeuten.

Allerdings gibt es hier einen Gegeneffekt: Falls die gelockerten Schuldenregeln Investitionen in Deutschland ankurbeln, könnte dies das Wirtschaftswachstum fördern. Zurzeit scheint dieser positive Effekt zu dominieren.

Performance MSCI World in USD (schwarz) gegenüber MSCI World in EUR (rot) seit Jahresbeginn 2025. Dollar nur minus 0,4% wohingegen in EUR es ein Minus von 6,7% gab.

Performance MSCI World in USD (schwarz) gegenüber MSCI World in EUR (rot) seit Jahresbeginn 2025. Quelle: Tradingview

Wie kannst du als Anleger davon profitieren?

  • Investments in Euro-denominierte Assets: Europäische Aktien oder Anleihen könnten stärker profitieren.

  • Anleihen-Portfolio diversifizieren: US-Treasuries bleiben interessant, doch es könnte Zeit sein, europäische Anleihen ins Depot zu nehmen.

  • Währungsstrategie überdenken: Möglicherweise lohnt sich eine Diversifikation von Währungen, z. B. in CHF oder JPY.


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Fazit: Es lohnt sich, dein Anlageportfolio genau anzuschauen

Der Markt für Staatsanleihen erlebt vielleicht gerade eine Zeitenwende. Sollte die Schuldenbremse in Deutschland tatsächlich aufgeweicht werden, könnte das langfristige Auswirkungen auf Anleihenrenditen, Wechselkurse und Aktienmärkte haben. Du solltest daher nicht nur deine Zinsstrategie, sondern auch deine Währungsexposure überdenken und neue Möglichkeiten in Euro-denominierten Assets in Betracht ziehen.


Über Mich

Ich bin Sebastian, ehemaliger Energiehändler, leidenschaftlicher Privatanleger, Chartered Financial Accountant und vor allem ein Mensch wie du.

Während meiner 10 erfolgreichen Jahre als Energiehändler standen oft die Zahlen im Vordergrund.

Mehr Monitore, mehr Analysen, weniger Mensch. 

Trotz meines beruflichen Erfolges war ich irgendwann unzufrieden. Ich wollte Menschen helfen. Insbesondere möchte ich ihnen etwas Nützliches beibringen.

Weniger Monitore, mehr Praxis, mehr Mensch.

Heute brenne ich darauf, mein Fachwissen aus über 15 Jahren Erfahrung an Menschen wie dich weiterzugeben.

Neben der praktischen Erfahrung, habe ich einen Universitätsmaster in Quantitative Finance, den CFA (Chartered Financial Analyst) und die österreichische Befähigungsprüfung zum gewerblichen Vermögensberater.


Hinweis:

Alle zur Verfügung gestellten Informationen (alle Ideen, Meinungen, Ansichten, Annahmen, Kommentare, Hinweise etc.) sind meine persönliche Meinung und dienen allein der Bildung und der Unterhaltung. Sie sind nicht als persönliche Anlageberatung zu verstehen.

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